Veränderung ist ein unvermeidlicher Teil des Lebens – und nirgends trifft das so sehr zu wie in der dynamischen Welt der Wirtschaft. Wenn man noch eine Ebene tiefer in die Nische der Technologie und Revenue Operations (RevOps) eintaucht, braucht es tatsächlich starke Nerven für das hohe Maß an ständiger Veränderung.
Um in diesen turbulenten Gewässern erfolgreich zu bestehen, müssen Unternehmen Struktur und Disziplin bei der Planung und Umsetzung verinnerlichen. Für Unternehmen, die digitale Transformationsinitiativen wie die Einführung von Software-as-a-Service (SaaS) starten, ist es entscheidend, die Mitarbeitenden stets in den Mittelpunkt zu stellen.
In diesem Artikel tauche ich tief in das Thema Change Management (Organisationsveränderungsmanagement) ein und stelle fünf wichtige Grundsätze vor, die Revenue-Operations-Profis bei ihrer nächsten Einführung von SaaS-Lösungen bedenken sollten.
Was ist Change Management?
Als Disziplin hat sich das Change Management in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt und professionalisiert. Untersuchungen zu verschiedenen Change-Management-Initiativen zeigen, dass Mitarbeitende auf Veränderungen vorbereitet und während des gesamten Prozesses eng begleitet werden müssen, um den Wandel erfolgreich zu gestalten.
„70 % der Veränderungsinitiativen scheitern. Unternehmen, die Schwierigkeiten bei Führungen durch organisatorische Veränderungen haben, erleben negative Auswirkungen auf die Gesamtleistung. Ebenso sinken das Engagement, das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeitenden.“ [WTW-Studie]
Während sich andere Disziplinen wie das Projektmanagement auf Werkzeuge und Systeme für das Erreichen von Zielen konzentrieren, ist das Change Management ein unterstützendes Rahmenwerk, das den menschlichen Aspekt von Veränderungen steuert.
Es reicht nicht aus, das Budget oder den Zeitrahmen der Software-Einführung einzuhalten. Wenn die Mitarbeitenden nicht bereit und willens sind, das neue System anzunehmen, können mehr Nachteile als Vorteile entstehen – entgegen der eigentlichen Zielsetzung.
Diese fünf zentralen Grundsätze des Change Managements dienen als Leitfaden für Revenue-Operations-Profis, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Es gibt verschiedene Change-Management-Modelle, denen man folgen kann – diese fünf Schritte haben sich für mich immer bewährt.
Der Change-Management-Prozess
1. Die Veränderung verstehen
Der Weg zu groß angelegten Software-Einführungen sollte immer mit einem klaren Verständnis darüber beginnen, welche Veränderungen anstehen. Die meisten Unternehmen begehen den Fehler, sich ausschließlich auf die Auswirkungen auf Organisationsebene zu konzentrieren und zu übersehen, wie stark die direkt betroffenen Mitarbeitenden beeinflusst werden.
Dieses Verständnis des Wandels schließt ein, die Bereiche zu erkennen und zu analysieren, in denen Reibung und Widerstand bei der Akzeptanz und Nutzung auftreten könnten.
Zu diesem ersten Grundsatz gehört es auch, proaktiv zu analysieren, welche Risiken bestehen. Diese Risiken sind Faktoren, die das Erreichen der Ziele negativ beeinflussen können.
Organisationen wie Prosci haben hervorragende Bewertungsvorlagen entwickelt, die Sie für die Risikoabschätzung Ihrer nächsten Einführung verwenden können.
Im Rahmen der Risikoanalyse Ihrer Einführung empfiehlt es sich außerdem, Change-Readiness-Assessments durchzuführen, um festzustellen, wie bereit verschiedene Gruppen und einzelne Mitarbeitende für die anstehenden Veränderungen sind.
Im Zuge jeder Software-Einführung ist es unerlässlich, den Ist-Zustand Ihrer Organisation und der Mitarbeitenden zu ermitteln. Folgende Aspekte sollten bei dieser Readiness-Überprüfung einbezogen werden:
- Veränderungskultur des Unternehmens
- Aktuelle Veränderungskapazität
- Nachwirkungen früherer Veränderungen
- Einstellung des mittleren Managements gegenüber dieser Art von Veränderung
Zu verstehen, wo Ihre Organisation und Ihre Mitarbeitenden derzeit in Bezug auf Risiko und Veränderungsbereitschaft stehen, ist ein entscheidender erster Schritt. Die gewonnenen Daten bei diesen Bewertungen bilden die Grundlage für die effektive Entwicklung eines Change-Plans.
2. Die Veränderung planen
Sobald Sie ein klares Bild von den aktuellen Dynamiken Ihrer Organisation haben, ist es an der Zeit, einen umfassenden Plan zu erstellen. Erfolgreiche Change-Management-Profis verlassen sich hierbei auf bewährte Rahmenwerke, die ihnen auch bei besonders komplexen Herausforderungen als Leitfaden dienen.
Nehmen wir zum Beispiel die ADKAR-Methode für Veränderungsmanagement: Sie ist ein weitverbreitetes Framework für die Unterstützung des Change Managements. Wie andere Strategien im Change Management beinhaltet ADKAR die Erstellung eines Fahrplans mit klaren Maßnahmen, Kommunikation und Ressourcen, die für eine erfolgreiche Veränderung erforderlich sind.
Im Planungsprozess sollten Sie eine klare Vision für Ihren gewünschten zukünftigen Zustand mit konkreten Zielsetzungen definieren. Diese Vision wird die Organisation durch den gesamten Veränderungsprozess leiten – vom Anfang bis zum Ende.
Neben einer klaren Vision und messbaren Zielen sollte sich Ihre Organisation im Rahmen des Prinzips der Planung auch auf die folgenden Komponenten konzentrieren:
Umfang und Zeitplan – Definieren Sie eindeutig den Umfang der Veränderung und legen Sie einen realistischen Zeitrahmen für die Umsetzung fest. Dies hilft Ihnen ganz sicher dabei, realistische Erwartungen zu setzen und die Stakeholder-Gruppen während des Veränderungsprozesses zu steuern.
Ressourcenzuweisung – Vergewissern Sie sich, dass Sie die Ressourcen identifizieren, die für die erfolgreiche Umsetzung Ihres Veränderungsplans benötigt werden. Berücksichtigen Sie Ihr Budget, die verfügbaren personellen Ressourcen und die Technologie.
Rollen und Verantwortlichkeiten – Zu jedem effektiven Veränderungsmanagement-Plan gehört die Festlegung der Rollen und Verantwortlichkeiten jeder Gruppe. Zu definierende Rollen können zum Beispiel Executive Sponsorship, Veränderungsleiter, Change Agents, Projektmanager und Mitarbeitende an der Frontline umfassen.
Ein gut strukturierter Veränderungsplan dient als Wegweiser für Ihre nächste Software-Einführung. Dieser Plan gibt Richtung vor und hilft dabei, Fokus sowie Ausrichtung auf die Umsetzung wirksamer Veränderungen zu halten. Außerdem stellt er sicher, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, reduziert Reibungsverluste und erhöht die Akzeptanz.
3. Kommunikation der Veränderung
Eine effektive Kommunikation ist das Lebenselixier einer erfolgreichen Software-Einführung. Kommunikation muss auf allen Ebenen Ihrer Organisation gezielt, klar und konsistent erfolgen.
Eine durchdachte Kommunikationsstrategie hilft, Ängste und Unsicherheiten unter den Mitarbeitenden zu verringern und fördert außerdem das Gefühl von Beteiligung und Eigenverantwortung – insbesondere bei den wichtigsten Stakeholdern.
Im Laufe meiner Erfahrung mit Software-Einführungen bin ich diesem strukturierten Vier-Stufen-Ansatz zur Entwicklung einer Kommunikationsstrategie gefolgt.
Schritt 1 – Erstellen Sie eine Zeitachse der Ereignisse
Indem Sie eine Zeitachse der Ereignisse erstellen, agieren Sie bewusst und proaktiv in Bezug auf die Botschaft, die Sie übermitteln möchten, und den Zeitpunkt Ihrer Kommunikation. Es gibt bestimmte Zeiten im Monat, in der Woche oder am Tag, zu denen Botschaften besser aufgenommen werden. Entwickeln Sie eine Abfolge von Kommunikationsmaßnahmen, die Ihre Veränderungsinitiativen unterstützt.
Schritt 2 – Segmentieren Sie Ihr Publikum – verfeinern Sie Ihre Botschaft
Wenn Sie mit Ihren Zielgruppen kommunizieren, achten Sie darauf, die Botschaft jeweils an den Empfänger anzupassen. Dabei kann es nötig sein, auf den verschiedenen Ebenen Ihrer Organisation ganz unterschiedliche Botschaften zu vermitteln.
Schritt 3 – Sichern Sie sich die Unterstützung von Sendern
Wie wir schon oft gehört haben, ist das Medium manchmal die Botschaft. Deshalb ist es besonders wichtig, Ihr Veränderungsmanagement-Team als Kommunikationsmultiplikatoren zu gewinnen. Erarbeiten Sie Nachrichten, die von Ihren Führungskräften versendet werden sollen, oder bereiten Sie ein Briefing vor, das das Top-Management an sein Team weitergeben kann, um zentrale Veränderungen zu kommunizieren.
Wenn andere, die bei Ihrer Zielgruppe großes Vertrauen genießen, die Botschaft vermitteln, hat dies einen erheblichen Einfluss auf deren Wirkung und kann Widerstand gegen Veränderungen verringern.
Schritt 4 – Kommunizieren Sie über verschiedene Kanäle und Medien
Beim Erstellen Ihres Kommunikationsplans sollten Sie sicherstellen, dass Sie verschiedene Kanäle und Medien nutzen. Allzu oft sehe ich, wie sich Kolleginnen und Kollegen fast ausschließlich auf E-Mails als Hauptkommunikationsweg verlassen.
Denken Sie über die Art Ihrer Nachricht nach und erwägen Sie beispielsweise Formate wie Newsletter, Plakate, soziale Veranstaltungen oder physische Unterlagen.
4. Umsetzung der Veränderung
Mit einem klaren Verständnis der Veränderung, einem gut durchdachten Plan und einer effektiven Kommunikationsstrategie ist es an der Zeit, die Veränderung umzusetzen. Hier trifft die Theorie auf die Praxis.
Ein zentraler Bestandteil der Umsetzung ist der Roll-out Ihres Trainingsplans. Stellen Sie die notwendigen Schulungen und Ressourcen bereit, damit die Mitarbeitenden die Fähigkeiten und das Wissen erwerben, die für den Umgang mit Ihrer Lösung nötig sind. Während des gesamten Trainingsprozesses sollte kontinuierliches Lernen im Mittelpunkt stehen.
Als Teil Ihrer Planung haben Sie wahrscheinlich auch Meilensteine und Kennzahlen definiert, die Sie überwachen werden. Klare Key Performance Indicators (KPIs) sind entscheidend, um kurz- und langfristige Fortschritte zu verfolgen. Prüfen und kommunizieren Sie regelmäßig die Entwicklung auf dem Weg zu Ihrer transformativen Veränderung.
5. Verstetigen Sie die Veränderung
Als Leitprinzip endet Veränderung nicht mit der Umsetzung, sondern stellt einen fortlaufenden Prozess dar. Damit die Veränderung ein dauerhafter Bestandteil der gesamten Unternehmensprozesse und -kultur wird, ist die Pflege von Verstetigungsprogrammen unerlässlich.
Für nachhaltige Verstetigung ist es wichtig, über fortlaufende Schulungen hinaus auch auf kontinuierliches Feedback und Evaluation zu setzen.
Suchen Sie kontinuierlich nach Feedback von sowohl Endanwendern als auch Ihrem Veränderungsteam, um die Wirksamkeit der Veränderung zu beurteilen. Schaffen Sie Anreize für diese Teilnahme, um den Rückmeldungsprozess in Gang zu bringen. Sie werden schon bald Bereiche mit Chancen entdecken, auf die Sie sich konzentrieren und die Sie weiter untersuchen können.
Sammeln Sie nicht nur Feedback, sondern stellen Sie auch sicher, dass Sie Personen anerkennen und wertschätzen, die Veränderungen annehmen und die gewünschten Verhaltensweisen zeigen. Das Feiern kleiner Erfolge ist ein wichtiger Schritt, um die richtige Unternehmenskultur zu fördern.
Verlassen Sie sich zuletzt auf Ihr Change-Management-Team, das weiterhin Unterstützung und Engagement für die Veränderung demonstriert. Ihr Handeln dient den Mitarbeitenden als Vorbild, dem sie noch lange nach der Einführung Ihrer Lösung folgen können.
Fazit
Letztendlich sind diese Grundsätze des Change Managements unerlässlich für Organisationen, um sie in der heutigen sich schnell verändernden Welt genau zu verstehen – unabhängig davon, ob Sie eine SaaS-Softwareanwendung implementieren oder Änderungen an einem bestehenden Prozess vornehmen.
Um Veränderungen erfolgreich zu meistern, müssen Organisationen eine gezielte Struktur und Disziplin etablieren, um ihre Investition in Veränderungsinitiativen zu maximieren.
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